“Alles zu seiner Zeit” – Saisonkalender des Greenpeace Magazins

Pünktlich zum Jahr 2014 bringt das Greenpeace Magazin einen neuen Saisonkalender heraus. Dieser ist besonders praktisch, da er jedes Jahr wiederverwendet werden kann. Zwar sind in dem Kalender nicht die einzelnen Tage aufgeführt, dafür aber die regional verfügbaren Obst- und Gemüsesorten. So kommen die Lebensmittel frisch von Feldern aus der Region und müssen keine langen Transportwege zurücklegen. Das spart Energie und weniger Lebensmittel bleiben beim Transport auf der Strecke.

Der Kalender ist von Kathrin Koschitzki liebevoll bebildert und unterteilt saisonale Früchte in drei Kategorien: “neu frisch vom Feld”, “neu frisch aus dem Gewächshaus” und “weiterhin regional verfügbar”.

    

Der Kalender hat ein handliches DIN A4-Format und ist natürlich FSC-zertifiziert.

Bestellt werden kann der Kalender im Greenpeace Warenhaus

12 Monatsblätter, Titel- und Infoblatt
Format: 210 x 297 mm (DIN A4)
ISBN 978-3-944222-01-1

Für unterwegs zum Einkaufen könnt ihr natürlich unseren Taschen-Saisonkalender ausdrucken.

Das Slow Mobil kommt an die Schulen

Das Slow Mobil aus Karlsruhe soll Kindern Lebensmittel und Kochen schmackhaft machen. Wir haben Gründungsmitglied Jens Herion interviewt.

Jens Herion im Interview

Wie kam es zu dieser Idee und was ist das Ziel des Slow Mobil?

Jens Herion: Das erste Slow Mobil in Deutschland ist in München an den Start gegangen. Ausgangspunkt war dort wie in Karlsruhe die Erkenntnis, das zunehmend Kinder in ihrer eigenen Familie nicht mehr mitbekommen, wie man aus frischen, unverfälschten Zutaten ein Essen zubereiten kann. Uns ist es wichtig, möglichst vielen Kindern wenigstens im Rahmen eines Slow Mobil-Einsatzes an ihrer Schule oder an ihrem Kindergarten dieses Erlebnis mindestens schon einmal zu ermöglichen und damit vielleicht ein Samenkorn zu pflanzen.

Das Slow Mobil ist bereits für die nächsten Monate ausgebucht. Es scheint, als hätten Kitas und Schulen auf eine solche Idee gewartet. Was glaube Sie, warum ist das Slow Mobil so gefragt?

Jens Herion: Kinder sind von Natur aus neugierig. Essen ist für uns alle ein Lebensthema – daher wäre es eher überraschend, wenn Kinder es nicht interessant fänden, bei Aktionen im Slow Mobil mitzumachen. Auch vielen LehrerInnen oder ErzieherInnen ist bewusst, dass sich im Zusammenhang mit unseren Ernährungsgewohnheiten in unserer
Gesellschaft einiges in die falsche Richtung bewegt. Es gibt z.B. nur noch wenige Schulen, die eine eigene Schulküche haben. Das Slow Mobil ist eine Möglichkeit, Kindern wenigstens vorübergehend, vielleicht auch erst- oder einmalig mit einer Kochaktion, an der sie an ihrer Schule teilnehmen, die Erfahrung zu verschaffen, was es bedeutet, frische Lebensmittel in die Hand zu nehmen und sich gemeinsam daraus ein schmackhaftes Essen zuzubereiten.

Was passiert denn da genau, wenn das Slow-Mobil an die Kitas und Schulen kommt?

Jens Herion: Wir haben im Trägerverein Junior Slow Karlsruhe e.V. ein Gesamtkonzept für die Einsätze des Slow Mobils entwickelt, das vor dem Auftauchen des Slow Mobils an der Schule beginnt und mit dem Ende des Einsatzes an der Einrichtung abschließt. Hier nur die Kurzbeschreibung einer Kochaktion selbst:

  • Zunächst wird über die geplanten Rezepte gesprochen, dann über die Zutaten. Wo sie herkommen, wie sie von wem angebaut oder erzeugt worden sind (wie detailliert, ist natürlich auch vom Alter der teilnehmenden Kinder abhängig). Es gibt vorwiegend regionale, saisonale Zutaten, in der Regel Gemüse und Obst. Fleisch nur  in Ausnahmefällen, da dann eventuell Probleme mit Unverträglichkeiten oder Konflikte mit religiösen oder anders bedingten kulturellen Speisevorschriften, sowie komplizierteren Hygienevorschriften zu berücksichtigen wären.
  • Dann werden Aufgaben verteilt, alle Kinder bekommen eine Kochmütze  und beteiligen sich an der Zubereitung der Speisen.
  • Der Tisch wird gemeinsam gedeckt, alle essen gemeinsam.
  • Zum Schluss beteiligen sich alle am Aufräumen und Spülen.
  • Die Kinder erhalten zum Abschied die zubereiteten Rezepte, die sie z.B. in ihrer eigenen Familien noch einmal verwenden können oder auch mit Mitschülern austauschen können.

Worin liegt ihre Motivation das Mobil mit ihrer Zeit und Energie zu unterstützen?

Jens Herion: Slow Food ist für mich eine geniale Möglichkeit, das Angenehme (Genuss von unverfälschten Lebensmitteln und Gerichten) mit gesellschaftlich Sinnvollem zu verbinden wie z.B. dem Engagement für den Erhalt kultureller Vielfalt der Ernährung, der Biodiversität, dem Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft und der handwerklichen Lebensmittelverarbeitung. Allgemein: Für nachhaltiges Essen & Trinken und für die Wertschätzung von Lebensmitteln und der Arbeit, die in ihrer Erzeugung und Verarbeitung steckt. Ein Teilaspekt von diesem Engagement ist das Slow Mobil, die Förderung der “Geschmacksbildung” von Kindern im weitesten Sinne.

Was läuft in den familiären Haushalten schief, wenn Slow Food an Kitas und Schulen zum Einsatz kommen muss?

Jens Herion: Wahrscheinlich gibt es eine Vielzahl von Gründen, die dazu führen, dass in immer weniger Familien gekocht wird, z.B. zunehmender Arbeitsdruck und damit verbunden weniger Zeit, die für gemeinsames Kochen und Essen verwendet wird. Ein Problem sind ständig präsente Werbung, finanziert durch millionenschwere Werbeetats der Lebensmittelindustrie, die versuchen bereits kleine Kinder von natürlichen Lebensmitteln zu entfremden und sie stattdessen auf viel Zucker und künstliche Aromen zu konditionieren. Außerdem mangelnde Wertschätzung von Lebensmitteln in der deutschen Wohlstandsgesellschaft, in der für die meisten Menschen jederzeit alles an Lebensmitteln im Überfluss verfügbar ist und Lebensmittel häufig nicht nach Qualität, sondern nach dem niedrigsten Preis gekauft werden – unabhängig von den damit verbundenen sozialen Kosten oder negativen Folgen für die Umwelt.

Mehr Infos zum Slow Mobil in Karlsruhe gibt es hier.

Ein paar einfache Schritte, die helfen weniger Lebensmittel wegzuwerfen

Wir haben ein paar einfache Maßnahmen aufgelistet, die euch helfen können weniger Lebensmittel wegzuwerfen. Fallen euch noch weitere ein? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

Lebensmittelverschwendung

Einkaufen:

  • Kleinere Mengen einkaufen, dafür mehrmals die Woche und Großeinkäufe vermeiden. So behält man besser den Überblick.
  • Einkäufe vorher planen. Nicht hungrig einkaufen gehen und von Spontankäufen absehen.
  • Auch Obst und Gemüse kaufen, dass nicht der Norm entspricht und perfekt aussieht. Mehr zum Thema Lebensmittelnormen hier.
  • In Geschäften einkaufen, die Waren, die bald ablaufen, günstiger anbieten und die nicht bis spät abends die Regale füllen.
  • Obst und Gemüse nicht in Großpackungen kaufen und Geschäfte meiden, die solche anbieten. So vermeidet man zum einen Plastikmüll. Zudem werden solche Packungen weggeworfen, wenn nur eine einzige Frucht verdorben ist. Wenn man die Früchte einzeln kauft, kann man genau so viele kaufen, wie man auch wirklich verwerten kann.
  • Am besten selbst beim Bauern einkaufen oder ein Abo für Obst und Gemüse bestellen. Damit umgeht man, dass die Früchte genormt werden und weniger schöne weggeworfen werden. Man unterstützt außerdem kleine, unabhängige Bauern und keine großen Lebensmittelkonzerne.

Kochen

  • Auf die eigenen Sinne vertrauen. Nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, sind Lebensmittel noch lange nicht verdorben. Mehr Infos zum MHD gibt es hier.
  • Reste vom Vortag beim Kochen verwerten.
  • Lieber kleinere, dafür mehrere Portionen servieren. So bleiben weniger Reste auf dem Teller übrig.
  • Saisonale und regionale Produkte kaufen. So vermeidet man, das Lebensmittel schon auf den langen Transportwegen verderben. Unser Saisonkalender kann euch dabei helfen.

Weitere Möglichkeiten:

  • Eigene Kräuter, Obst und Gemüse anbauen. Da kann man sicher sein, dass im Produktionsprozess nichts weggeworfen wird und außerdem macht es Spaß. Mehr Infos findet ihr hier.
  • Man kann auch containern gehen, das heißt Lebensmittel aus den Mülleimern von Supermärkten “retten”. Das ist allerdings in der Regel nicht legal. Mehr Infos findet ihr hier.

Das ist eine Liste, die wir aus eigenen Erfahrungen zusammengestellt haben. Wir freuen uns sehr über weitere Ideen eurerseits!

Protagonistin A.*

*möchte anonym bleiben
A.* gehört zu denjenigen Menschen, die aus Überzeugung „containern“, d.h. sie holt nachts Lebensmittel aus den Mülltonnen von Supermärkten, die aussortiert wurden. Dies gilt rechtlich als Straftat. A* möchte jedoch damit ein Zeichen gegen die Lebensmittelverschwendung setzen. Sie lebt sehr bewusst und geht dabei auf ihre eigene, unkonventionelle Art gegen die Missstände der Lebensmittelindustrie vor.

Mehr übers “Containern” findet ihr hier.

Protagonistin Hannah Schmitt

Durch ihr Studium der Agrarwissenschaften hat Hannah ein ausgeprägtes Bewusstsein für alternative Ernährung. Sie baut pflanzt nicht nur im Garten eigenes Obst und Gemüse an, sie hält sogar ihre eigenen Bienen. Und zu denen hat sie einen ganz besonderen Bezug! Aus Kostengründen muss Hannah aber auch immer wieder konventionell einkaufen, was ihr auch mal ein schlechtes Gewissen bereitet. Doch wenn alles gut geht, wird ihr Traum vom Selbstversorgerleben eines Tages Wirklichkeit.

Protagonist Pius Horn

Filialleiter eines EDEKA in Nusplingen
Herr Horn hat das Geschäft seiner Familie übernommen und ist u.a. Filialleiter eines EDEKA im schwäbischen Nusplingen. Dieses Geschäft dient der ländlichen Nahversorgung. Es handelt sich um eine kleine Filiale, inklusive Backstube. Er kennt die Kunden beim Namen und in seinem Geschäft geht es persönlich zu. Herr Horn widerstrebt das Wegwerfen von Lebensmitteln und so versucht er Alternativen für die Weiterverwertung von ihnen zu finden.

Gemüse Marke Eigenbau

Mein eigener kleiner GartenImmer wieder erschüttern neue Lebensmittelskandale die Verbraucher. Statt mir noch länger die Diskussionen um die Herkunft, Gen-Manipulation, Düngemethoden usw. von Lebensmitteln anzuhören, habe ich den Entschluss gefasst einen Teil meines Essens einfach selbst großzuziehen. Also habe ich meinen eigenen kleinen Garten angelegt. Obwohl, einen Garten kann man das Ganze eigentlich nicht nennen, da er sich auf die 20 x 150 cm meiner Fensterbank beschränkt. Aber dennoch wollte ich es unbedingt mal ausprobieren. Ich muss gestehen, ich habe kaum Erfahrung damit Pflanzen großzuziehen, aber das wird sich jetzt hoffentlich ändern. Eigentlich bin ich mit der Aussaat auch schon ein bisschen spät dran, aber das ist dieses Jahr wohl nicht so schlimm. So hat der verspätete Frühling zumindest noch etwas Gutes.

Viel braucht man für den eigenen Garten eigentlich nicht. Hier ist meine Liste:

  • Gartenerde und Samen (gibt es auch in Bio!)
  • Blumentöpfe und Untersetzer (Ton ist besser, weil die Erde besser atmen kann, Plastik geht aber auch)
  • Gießkanne oder irgendetwas zum bewässern (da kann man natürlich alles mögliche nehmen, zum Beispiel eine Flasche oder ein Glas)

Welche Pflanzen ich anbaue, habe ich spontan beim Einkaufen beschlossen. Auf den Packungen findet ihr jeweils Informationen, wann die beste Zeit für die Aussaat ist.

Kräuter und Gemüse wachsen hoffentlich bald auf meiner Fesnterbank

Folgende Pflanzen werden hoffentlich in den nächsten Wochen auf meiner Fensterbank sprießen und gedeihen:

  • Tomaten
  • Radieschen
  • Schnittlauch
  • Basilikum
  • und Passionsblumen (nicht zum Essen, nur zum Anschauen)

Ich bin schon sehr gespannt, wie sich mein kleines Projekt entwickeln wird. Einen kleinen Erfolg kann ich auch schon nicht einmal zwei Tage nach Aussaat verzeichnen: die ersten Radieschensamen keimen schon!

Die ersten Radieschensamen keimen schon!

Über den weiteren Fortschritt werde ich euch selbstverständlich auf dem Laufenden halten!

Detaillierte Informationen zu Fenstergärten findet ihr hier und bei Du bist Landwirt gibt es sogar noch Informationen zur eigenen Kompostproduktion.

Und, habt ihr auch Lust noch schnell euren eigenen kleinen Gemüsegarten anzulegen?

Update:

Tag 4: Radieschen

Tag 11: Basilikum, Schnittlauch und Tomaten sprießen langsam

Tag 11: Radieschen sind nicht zu bremsen und müssen umgetopft werden.

Tag 51: Eine Passionsblume wächst

Tag 51: Schnittlauch kann geerntet werden - sehr lecker im Salat!

Tag 51: Auch das erste Basilikum kann geerntet werden, zum Beispiel um leckeres Pesto zu machen.

Tag 51: Die Tomatenpflanzen sind teilweise schon 50cm hoch, mal sehen wann sie die ersten Früchte tragen.

Radieschen haben keine Früchte getragen und mussten Spinat weichen.

 

 

Tag 79: Die Passionsblume klettert eifrig in die Höhe

Tag 79: Die erste Blüte bei den Tomatenpflanzen

Tag 79: Urwald! Spinat und Basilikum gedeihen prächtig und sind super lecker

Protagonist Markus Urban

Markus ist sehr pragmatisch, wenn es um Essen geht. Frische, Herkunft oder Saisonalität sind ihm nicht wichtig. Da er nur einmal im Monat einen Großeinkauf macht, hat er vielleicht in den ersten Tagen einen Salatkopf, danach Tiefkühlware und Konserven. Markus ist sich im Klaren darüber, dass er sich nachhaltiger und gesünder ernähren könnte, aber die Bequemlichkeit siegt doch immer wieder.

Premiere am 26. + 27. April 2013!

Endlich ist es soweit! Die Reportage „We love food – Vom Feld in den Mund und was dabei auf der Strecke bleibt“ feiert Premiere im Kino Museum in Tübingen. Und ihr seid natürlich herzlich eingeladen! Die Macherinnen des Films werden natürlich anwesend sein und freuen sich auf spannende Diskussionen mit euch!

Hier nochmal der Trailer:

„We love food – Vom Feld in den Mund und was dabei auf der Strecke bleibt“ ist eine 30-minütige Reportage darüber, welchen Stellenwert Lebensmittel in unserer Gesellschaft haben. In verschiedenen Interviews kommen Menschen zu Wort, die mit Lebensmitteln arbeiten, über sie forschen oder einen besonderen Bezug zu ihnen haben.

So begleitet „We love food“ sechs Protagonisten auf einer persönlichen Ebene und dokumentiert ihren Alltag und Umgang mit Lebensmitteln: vom kochfaulen Studenten, über eine anonyme Mülltaucherin bis zum reflektierten Supermarktbetreiber sind viele Facetten vertreten. Die Begriffe Wertschätzung, Nachhaltigkeit und Bewusstsein stehen dabei im Vordergrund, frei nach dem Motto „Schätze dein Essen und mach dir Gedanken!“

Wie sich das für eine richtige Premiere gehört, gibt es natürlich auch einen Sektempfang und die Möglichkeit Ideen auszutauschen.

Nach „We love food” wird noch ein zweiter Dokumentarfilm gezeigt, der ebenfalls im Rahmen einer Masterarbeit an der Uni Tübingen entstanden ist. Der Dokumentarfilm „Ins Schwarze getroffen – Die deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft“ begleitet diese auf dem Weg zu ihrem wichtigsten Spiel gegen die Türkei im Jahr 2012. Mehr Infos findet ihr hier.

Programm:

Plakat18:00 Uhr: Begrüßung
18:15 Uhr: “We love food” (30 Min.) mit kurzem Gespräch mit den Filmemacherinnen
19:00 Uhr: “Ins Schwarze getroffen” (45 Min.) mit kurzem Gespräch mit den Filmemachern
20:00 Uhr: Sektempfang und Get-Together (nur am Freitag)

Die Filme werden exklusiv am Freitag, den 26. und Samstag, den 27. April im Kino Museum in Tübingen gezeigt. Eine Eintrittskarte, mit der ihr beide Filme ansehen könnt, kostet 7 Euro und garantiert einen abwechslungsreichen und spannenden Abend! (5 Euro für Kinder unter 12)

Wir freuen uns auf euch! Gerne könnt ihr euch bei unserer Facebook-Veranstaltung anmelden!

Anfahrtsbeschreibung:


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Von wegen umweltfreundliche Agrarreform

Die EU-Landwirtschaftsminister haben in Brüssel über ihre Position zur zukünftigen EU Agrarpolitik entschieden. Die Ergebnisse der Verhandlungen vom 14. März hat viele Öko-Bauern enttäuscht.  Agrarkommisar Dacian Cioloș hatte am 12. Oktober 2011 einen Reformvorschlag zum “Greening” der EU Landwirtschaft eingereicht. Der Vorschlag sah vor, dass die Agrarsubventionen in Zukunft nur noch an Betriebe gezahlt werden, die sieben Prozent ihrer Fläche im Sinne der Natur nutzen. Diese “ökologischen Vorrangflächen” werden aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen und die Natur wird sich selbst überlassen. Das fördert den Schutz von Wasser, Boden, Artenvielfalt und Klima.

Erstaunlich ist, dass die großen deutschen Nachrichtenseiten die Verhandlungen der EU als umweltfreundliche Agrarreform feiern (Spiegel, Süddeutsche). Lediglich die Welt titelt “Wie das EU-Parlament aus der Agrarreform ein Reförmchen machte”.

Denn die Position der EU Parlamentarier sieht vor, dass lediglich 30 Prozent der EU-Subventionen für Greening-Massnahmen vergeben werden. Die restlichen 70 Prozent sind weiterhin nicht an Umweltschutzkriterien gebunden. Statt der geforderten sieben Prozent ökologischer Vorrangfläche, einigten sich die Parlamentarier letztendlich auf drei Prozent (fünf Prozent bis 2016). Und das obwohl deutsche Betriebe schon jetzt zu 2,1 bis 3,5% aus ökologischen Vorrangflächen bestehen (taz). Zudem dürfen diese Flächen auch noch genutzt werden, müssen nur in Zukunft ökologischer bewirtschaftet werden. Eine umweltfreundliche Agrarreform sieht wohl anders aus.

Die endgültige Verhandlung über die Reform findet Ende Juni im Europäischen Parlament statt. Hier haben wir euch noch die wichtigsten Informationen zur EU Agrarpolitik zusammengetragen:

Ferkel an Zitzen einer SauWelche Landwirtschaft wird von der EU gefördert?

Die EU subventioniert die europäische Landwirtschaft dieses Jahr mit etwa 60 Milliarden Euro (Spiegel). Das sind knapp 40% des gesamten EU-Haushalts. 110 Euro zahlt der Verbraucher im Schnitt für diese Politik und hat auch klare Vorstellungen von der Verwendung der Gelder. Eine Umfrage der Naturschutzorganisation WWF hat ergeben, dass sich 78% der Europäer wünschen, dass Subventionen an nachhaltige Landwirtschaft gekoppelt sind. Nur 16% glauben, dass eine Verteilung nach Anbaufläche sinnvoll ist (WWF).

Doch in der Realität geschieht genau das! Umweltfreundliche Landwirtschaftsbetriebe sind meist kleiner und weniger effizient. Momentan bekommen sie nicht mehr Zuschüsse dafür, dass sie besonders schonend mit ihren Ressourcen umgehen. Im Gegenteil: die Subventionen sind bisher nicht an Ziele geknüpft, sonder besonders an Fläche. Große Höfe, die in Masse produzieren haben dadurch Vorteile. Je größer der Betrieb, desto mehr Subventionen gibt es. Momentan erhalten 20% der Betriebe ganze 80% der Gelder (Welt).

Eine Auflistung des BUND zeigt, welche Konzerne besonders von den Subventionen profitieren. Südzucker, Tönnies-Fleisch, Ferrero… Es wird klar, dass Förderung von gesunden Lebensmitteln offenbar keine Rolle spielt.

Warum gibt es die EU Subventionen?

Dass die Europäische Union landwirtschaftliche Nahrungsproduktion subventioniert, hat seinen geschichtlichen Ursprung nach dem zweiten Weltkrieg. 1957 verabschiedete die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (Vorlaufer der EU) den Vertrag zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Dessen Hauptziel war es die europäische Landwirtschaft nach 1945  wieder aufzubauen. Während und nach dem zweiten Weltkrieg konnten viele Menschen in Europa nicht zu bezahlbaren Preisen mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Da in Europa sehr viele Menschen auf vergleichsweise engem Raum leben, sind die Anbauflächen knapp. Verglichen mit großen Flächenländern mit weniger Einwohnern, wie beispielsweise Australien, war der europäische Agrarsektor nicht konkurrenzfähig und die Subventionen sollten hier Abhilfe schaffen (EU Koordination).

Neue Herausforderungen

Im Jahr 2013 ist Lebensmittelknappheit in der EU kein Problem mehr. Im Gegenteil, die Hälfte aller produzierten Nahrungsmittel landet auf dem Müll. Die Subventionen verzehren außerdem den Wettbewerb auf dem Weltmarkt. Die Existenz von Landwirten in Entwicklungsländern wie beispielsweise Afrika sind gefährdet, da sie nicht mit den aus der EU importierten Nahrungsmitteln konkurrieren können (Tagesschau).

Ein neues Konzept muss her – Mehr Klasse statt Masse in der Lebensmittelproduktion! Um noch eine Daseinsberechtigung zu haben, sollten die EU Agrarsubventionen an umweltfreundliche Ziele geknüpft sein. Und zwar so wie sie sich der Verbraucher wünscht: Für eine umweltfreundliche Erzeugung gesunder Nahrungsmittel!