Steak, Burger und Co. als Komplizen von Welthunger und Klimawandel

Currywurst-Buden, Dönerläden und Fastfood Ketten prägen das Bild der modernen Großstadt und stehen symbolisch für eine Konsumgesellschaft.  Und das, obwohl ein Lebensmittelskandal den anderen jagt. Fragwürdig ist der tägliche Verzehr von Fleisch nicht nur aus gesundheitlicher und ethischer Sicht, sondern vor allem, wenn es um den Welthunger und den Klimaschutz geht.

Spätestens seit BSE-, „Gammelfleisch“-, und dem aktuellen Pferdefleischskandal ist Fleisch als Lebensmittel stark in Verruf geraten. Konsumenten sind verunsichert und eine erneute Fleischdebatte ist in den Medien entbrannt. Dieses Mal um gepanschtes Fleisch in Fertigprodukten. Fleischerzeugnisse lokaler Metzger oder von Biobauern  wird noch als sicher angepriesen, doch viele Konsumenten wollen oder können sich kein Fleisch vom Bio-Rind oder -Schwein leisten.

Wie die Arte-Dokumentation „Nie wieder Fleisch“ (2012) von Julia Pinzler zeigt, hat sich der weltweite Fleischkonsum in den letzten 50 Jahren verfünffacht. In den Industrieländern konsumiert der Durchschnittsbürger pro Jahr 90 kg Fleisch. Während der Fleischkonsum in Europa schon immer hoch war, ist die Nachfrage nach Fleisch vor allem in Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien stark angewachsen. Grund hierfür sind die rasch wachsende Bevölkerung und der zunehmende Wohlstand dieser Länder. Wie Pinzlers Recherchen zeigen, gilt beispielsweise in China der tägliche Konsum von Fleisch als Statussymbol der wachsenden Mittelschicht.  Während vegetarische Kost im Westen längst nicht nur mit dem Öko-Gedanken in Verbindung gebracht wird, sondern teilweise auch als modisch und progressiv gilt, wird Vegetarismus in China als Zeichen für finanzielle Not gewertet.

Entsprechend der weltweit wachsenden Nachfrage nach Fleisch ist auch dessen Produktion angestiegen. Verheerend ist das vor allem für die Umwelt. Laut einer Studie über Fleischproduktion von Misereor aus dem Jahr 2012 wird sich die Nachfrage nach Fleisch im Jahr 2050 verdoppelt haben: Von circa 228 auf 463 Millionen Tonnen. Dazu müsste die zweifache Menge der heute hergestellten Futtermittel produziert werden. Aus aktueller Sicht sind diese Mengen nicht produzierbar. Schon jetzt wird ein Großteil der Futtermittel für die deutsche Fleischproduktion aus Entwicklungsländern importiert. Das ist ein Problem für das Klima, die Artenvielfalt und die regionalen Wasserkreisläufe. Wälder und Moore werden in Nutzfläche für den Anbau von Futtermitteln und für Viehhaltung umgewandelt. Laut einem Artikel des Tagesspiegel produzieren die Nutztiere  nicht nur klimaschädliche Methangase. Verhängnisvoller für die Umwelt sei der Einsatz von Kunstdünger in der Futtermittelproduktion. Denn durch dessen Einsatz werden auf den Feldern Lachgas produziert, dessen Schaden für das Klima viel höher liegt als die von Methan.

Laut dem  Vegetarierbund Deutschland (VeBu) könnten unsere heutigen Fleischmengen  ohne die Futtermittelimporte aus Schwellenländern – in denen problematische Anbaubedingungen herrschen –  nicht produziert werden. Die Schwellenländer produzieren deshalb Futtermittel (wie zum Beispiel Soja) auf Anbauflächen, die für die landeseigene Nahrungsmittelproduktion wegfallen. Jean Ziegler – Globalisierungsgegner und ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung – macht genau diese Strategie der westlichen Fleisch-Unternehmen verantwortlich für den Welthunger.  Ziegler erklärt: „Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind unter zehn Jahren an den Folgen der Unterernährung. […] Das ist kein Schicksal, es ist Mord. In diesem Jahrhundert können erstmals genug Lebensmittel erzeugt werden, um zwölf Milliarden Menschen ausreichend zu ernähren, also das Doppelte der derzeitigen Erdbevölkerung. Die Zahl der Hungernden aber wächst, allein im vergangenen Jahr um elf Millionen. Zugleich wird ein Viertel der weltweiten Getreideernte als Futter für Mastvieh verschwendet. An dessen Fleisch essen sich die Menschen in den reichen Ländern dick – Herz-Kreislaufleiden gehören zu den häufigsten Todesursachen.“ (Tisch-Gespräch mit Jean Ziegler im Greenpeace-Magazin).

Soviel CO2 wird jeweils für ein Kilo Gemüse, Schweine- oder Rindfleisch produziert:

Der CO2 Ausstoss von Fleisch und Gemüse im Vergleich

Doch nicht nur die Grundversorgung der Menschen in Entwicklungsländern wird durch die Fleischproduktion von Industrienationen gefährdet, auch für die Umwelt hat die weltweit steigende Fleischnachfrage Konsequenzen. Die Erzeugung tierischer Lebensmittel ist beispielsweise für 18 % aller vom Mensch verursachten,  klimawirksamen Emissionen verantwortlich und liegt damit vor dem ebenfalls sehr belastenden Verkehrssektor (vgl. Studie zu Fleischproduktion von Misereor 2012).  Laut VeBu führt die Rindfleischproduktion die Rangliste der Treibhausgas-Emissionen an:  Für ein Kilo Schweinefleisch werden 1,9 kg  CO2 ausgestoßen, für ein Kilogramm Rindfleisch sind es sogar ganze 13 kg CO2. Im Vergleich dazu werden für ein Kilogramm Gemüse nur 150 g der klimaschädlichen Emissionen freigesetzt. Außerdem benötigt man für die Erzeugung von tierischen Produkten enorm viel Wasser: Für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch werden 15.500 Liter benötigt, davon werden 15.300 Liter für den Futtermittelanbau benötigt. Im Gegensatz dazu braucht man für die Produktion von 1 kg Sojabohnen nur 1.800 Liter Wasser, so die Studie über Fleisch-Produktion von Misereor.

Was kann ich tun?

Aus Sicht des Klimaschutzes wären vor allem zwei Dinge nötig: Eine deutliche Reduktion der Nutztierbestände und eine Fleischproduktion, die möglichst nachhaltig und klimafreundlich ist. Unsere Öko-Bilanz sieht beispielweise schon viel besser aus, wenn die Nutztiere ökologische gehalten werden. Laut einem Online-Artikel des WWF erzeugt Bio-Geflügel zum Beispiel etwa halb so viele Emissionen, wie  Geflügel aus konventioneller Aufzucht. Der Grund: „Bio-Futtermittel verursachen weit geringere Emissionen als konventionelle Futtermittel. Für ein Kilo Hühnerfleisch aus konventioneller Haltung wird fast ein Kilo Sojamehl verfüttert. Soja, das auf Flächen angebaut wird, für die in Lateinamerika Regenwald und andere Ökosysteme weichen mussten, die viel Kohlenstoffdioxid speichern“, so der WWF. Viele deutsche Bio-Erzeuger hingegen achten bei der Fleischproduktion auf eine geschlossene, ökologische Kreislaufwirtschaft. Durch den kompletten oder teilweisen Verzicht auf Importfuttermittel und die Fütterung mit betriebseigenem Futter wird der globale Wasserhaushalt geschont, so die Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V..

Jeder könnte also in einem ersten Schritt sein Konsumverhalten überdenken und sich außerdem fragen, ob es wirklich nötig ist jeden Tag Schnitzel und Co. zu verzehren. Wäre es nicht sogar fortschrittlich sich auf den nostalgisch anmutenden „Sonntagsbraten“ zurück zu besinnen und Fleisch nur noch an besonderen Anlässen zu essen? Laut einem Artikel des Tagesspiegel kam noch vor 30 Jahren etwa 60 kg weniger Fleisch auf den Tisch eines deutschen Durchschnittsbürgers als heute. Das Fleischgericht am Wochenende wurde früher vielerorts in der Familie zelebriert und galt als soziales Ereignis. Heute fehlt von diesem jede Spur. Außerdem könnte man sich Gedanken zur Fleischsorte machen, zu der man greift: Schweine- oder Geflügelfleisch sind im Hinblick auf den Wasserbedarf für Futtermittel und Aufzucht ressourcenschonender. Wenn man Fleisch kauft, dann sollte man außerdem darauf achten, dass es aus ökologischer Aufzucht stammt.

Eine weitere Möglichkeit wäre zu Hause, in der Mensa und im Restaurant fleischfreie Tage einzuführen. Dies haben schon viele Universitäten im Rahmen des „Veggi-Day“ gemacht; unter anderem in Tübingen und Berlin. Dieser findet bundesweit donnerstags unter dem Motto „Donnerstag ist Veggietag“ statt. Es handelt sich um eine Aktion, die zu einem fleischfreien Wochentag in Deutschland aufrufen möchte. Über fleischfreie Tage würden sich nicht nur die Tiere freuen, sondern auch unser gesamtes Ökosystem!